Start/Warum Keramik/Keramik oder Titan

Keramik oder Titan?
Ein Vergleich ohne Glaubenskrieg.

Wir haben beides gesetzt – Titan seit 1993, Keramik seit 1998. Deshalb können wir Ihnen sagen, wo Zirkonoxid klar im Vorteil ist, wo beide gleichauf liegen und in welchen seltenen Fällen Titan noch die bessere Wahl bleibt.

Keramikimplantat aus Zirkonoxid mit Blick in die Innenverbindung
Zirkonoxid
Weiß, metallfrei, elektrisch neutral
Keramikimplantat, natürlicher Zahn und Titanimplantat nebeneinander
Keramik · Zahn · Titan
Nebeneinander: Keramikimplantat, natürlicher Zahn, Titanimplantat
Vorteil Keramik

Biologie und Ästhetik

Keine Ionenabgabe, keine Korrosion, kein grauer Rand. Weniger Plaqueanlagerung und ein Zahnfleisch, das sich direkt anlegt.

Gleichauf

Haltbarkeit und Einheilung

Moderne Zirkonoxid-Systeme erreichen über 5 bis 10 Jahre Überlebensraten, die mit Titan vergleichbar sind. Die Datenlage über 15 Jahre hinaus ist bei Titan länger.

Vorteil Titan

Sonderfälle und Angulation

Bei extremen Winkeln, sehr schmalen Durchmessern oder bestimmten Großversorgungen ist das Titan-Sortiment breiter. Wir sagen Ihnen, wenn das auf Sie zutrifft.

Punkt für Punkt

Dreizehn Kriterien, die für Sie als Patient zählen.

Kriterium
Keramik (Zirkonoxid)
Titan
Bewertung
Material
Hochleistungskeramik, ohne Metallanteil
Titanlegierung (meist Grad 4 oder Ti-6Al-4V mit Aluminium und Vanadium)
Keramik
Farbe und Ästhetik
Zahnfarben weiß – auch bei dünnem Zahnfleisch kein Durchschimmern
Grau; bei Rezession oder dünner Schleimhaut sichtbarer Rand
Keramik
Metallionen und Korrosion
Keine Ionenabgabe, keine Korrosion
Titanpartikel und -ionen im umliegenden Gewebe nachweisbar
Keramik
Elektrische Leitfähigkeit
Isolator – keine galvanischen Ströme neben Gold, Amalgam oder anderem Titan
Leiter – Potentialunterschiede zu anderen Metallen möglich
Keramik
Unverträglichkeit und Allergie
Keine bekannten Sensibilisierungen auf Zirkonoxid
Selten, aber beschrieben; Partikelreaktion individuell unterschiedlich
Keramik
Plaque und Zahnfleisch
Geringere Bakterienanhaftung, gute Weichgewebsanlagerung
Stärkere Plaqueanlagerung an freiliegenden Oberflächen
Keramik
Periimplantitis-Risiko
Nach aktueller Studienlage tendenziell geringer
Langzeitdaten zeigen relevante Raten, besonders bei Risikopatienten
Keramik
Einheilung (Osseointegration)
Vergleichbar mit Titan; eigenes Protokoll notwendig
Sehr gut dokumentiert, etablierte Protokolle
Gleichauf
Überlebensrate 5–10 Jahre
Vergleichbar – bei einteiligen Systemen am längsten belegt
Sehr hoch, über Jahrzehnte belegt
Gleichauf
Langzeitdaten über 15 Jahre
Noch begrenzt – Keramik ist die jüngere Technologie
Umfangreich vorhanden
Titan
Sortiment und Sonderformen
Gute Auswahl, aber weniger Winkel- und Mini-Varianten
Sehr breites Sortiment, viele Spezialformen
Titan
Kernspintomographie (MRT)
Kaum Artefakte, keine Erwärmung
Deutlich größere Artefakte, die das Umfeld überdecken können
Keramik
3D-Röntgenbild der Kiefer (DVT)
Deutlich mehr Streustrahlen-Artefakte – der Übergang von Implantat zu Knochen ist schwer zu beurteilen
Weniger Artefakte, der Knochen am Implantat ist besser beurteilbar
Titan

Einordnung auf Basis der S3-Leitlinie „Keramikimplantate“ (DGI/DGZMK, Stand 12/2022) und aktueller Übersichtsarbeiten. Die Bewertung ist unsere fachliche Einschätzung und ersetzt nicht die individuelle Beratung.

Was die Wissenschaft sagt

Keramikimplantate sind seit 2022 Leitlinienmedizin.

Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie und die DGZMK haben Zirkonoxid-Implantate in einer S3-Leitlinie bewertet – der höchsten Evidenzstufe im deutschen System. Das ist der Unterschied zwischen Überzeugung und Beleg.

Leitlinie lesen (AWMF 083-039)
S3-Leitlinie
Keramikimplantate – DGI, DGZMK et al., 2022, gültig bis 2027
Bewertet Zirkonoxid-Implantate als Alternative zu Titan. Einteilige Systeme gelten als sicher (über 97 % nach 7 Jahren); für zweiteilige ist die Datenlage jünger – entscheidend ist hier die Verbindung von Implantat und Aufbau.
Systematische Übersicht
Roehling et al., Clinical Oral Implants Research, 2018 – Überlebensraten von Zirkonoxid-Implantaten
Metaanalyse aus 18 klinischen Studien: 98,3 % Überleben nach einem Jahr, 97,2 % nach zwei Jahren. Einteilige Zirkonoxid-Implantate liegen damit im Bereich von Titan.
Klinische Studie
Degidi et al., Journal of Periodontology, 2006 – Zahnfleisch an Zirkonoxid und Titan
Gewebeproben nach sechs Monaten Einheilung: Um Zirkonoxid deutlich weniger Entzündungszellen und eine ruhigere Gefäßreaktion als um Titan. Eine weitere Humanstudie (J Periodontol 2004) fand auf Zirkonoxid rund ein Drittel weniger Bakterien – 12,1 % gegenüber 19,3 % besiedelter Fläche.
Eigene Erfahrung
Mehr als 2.000 Keramikimplantate seit 1998 in Kiel und Eckernförde
Erfahrung aus 28 Jahren Keramikimplantologie. Unsere Beobachtung: Das Zahnfleisch legt sich an Keramik straffer an und blutet weniger. Deshalb setzen wir auch auf Titanimplantate ausschließlich individuell gefertigte Abutments aus Keramik.

Ehrlich gesagt

Wann wir Ihnen trotzdem zu Titan raten würden.

Selten – aber es gibt Situationen, in denen Titan die bessere Wahl ist. Dann sagen wir Ihnen das offen. Und auch dann fertigen wir ausschließlich individuelle Abutments aus Keramik – damit die Vorteile der Keramik im Schleimhautbereich erhalten bleiben.

01
Extreme Achsneigung
Wenn Implantat und Krone in einem sehr starken Winkel zueinander stehen müssen und ein Knochenaufbau nicht gewünscht ist.
02
Sehr schmaler Kieferkamm ohne Aufbau
Für Durchmesser unter 3,5 mm gibt es in Keramik bisher wenige belastbare Systeme.
03
Bestehende Titanversorgung, die gut funktioniert
Ein reizfreies, stabiles Titanimplantat tauschen wir nicht ohne medizinischen Grund. Wir prüfen – und sagen es Ihnen, wenn es bleiben kann.
04
Bestimmte Großversorgungen
Bei einzelnen verschraubten Gesamtkonstruktionen ist das Titan-Zubehör breiter. Meist finden wir eine metallfreie Lösung – aber nicht immer.

Sie haben bereits Titan?

Wechsel von Titan zu Keramik – wann es sinnvoll ist, wie es abläuft.

Bei Periimplantitis, nachgewiesener Unverträglichkeit oder dem Wunsch nach einem metallfreien Körper entfernen wir Titanimplantate knochenschonend mit Spezialinstrumenten, bei Bedarf unterstützt durch Ultraschall. Danach reinigen wir das Knochenbett und setzen – wenn die Situation es erlaubt – in derselben Sitzung ein Keramikimplantat. Ob das bei Ihnen möglich ist, klären wir vorab im Erstgespräch mit klinischem Befund und 3D-Röntgenbild der Kiefer (DVT).

Dr. Ralf Lüttmann am Bildschirm mit dem 3D-Röntgenbild der Kiefer (DVT)

Häufige Fragen zum Vergleich

Was Patienten uns dazu fragen.

Ist Keramik nicht spröde und bricht leichter?

Zirkonoxid ist die zäheste Oxidkeramik und wird auch für Hüftgelenke eingesetzt. Frühe Keramikimplantate der 2000er hatten Bruchprobleme; moderne Systeme – ein- wie zweiteilig – mit optimiertem Design erreichen in Belastungstests Werte, die mit Titan vergleichbar sind.

Warum setzen dann nicht alle Zahnärzte Keramik?

Keramik erfordert ein eigenes chirurgisches Protokoll – Titan-Routinen lassen sich nicht einfach übertragen. Wer selten damit arbeitet, bleibt bei dem, was er kennt. Wir machen seit 1998 nichts anderes und haben über 2.000 Kolleginnen und Kollegen darin ausgebildet.

Brauche ich einen Titan-Unverträglichkeitstest?

Ein Titanstimulationstest kann Hinweise geben, ist aber nicht die einzige Entscheidungsgrundlage. Wer sich für Keramik entscheidet, braucht ihn nicht; wer zwischen beiden schwankt, kann ihn als Argument nutzen. Wir besprechen das im Erstgespräch.

Kostet Keramik mehr als Titan?

Das Keramikimplantat selbst ist etwas teurer als ein Titanimplantat – bei uns liegt der Unterschied bei rund 400 € pro Implantat. Das individuell gefertigte Abutment aus Keramik bekommen Sie bei uns in beiden Fällen. Die genauen Spannen stehen auf unserer Kostenseite.

Kann ich mit Keramikimplantaten ins MRT?

Ja. Zirkonoxid erzeugt im MRT kaum Artefakte und erwärmt sich nicht. Informieren Sie die Radiologie trotzdem kurz über Ihre Implantate.

Welches Material zu Ihnen passt, klären wir in 60 Minuten.

Erstgespräch mit 3D-Röntgen, Befund und schriftlichem Kostenplan – in Kiel oder Eckernförde.